Fazit Themenforum Wertschöpfung: Mehr Innovation wagen!

Laborfachkraft steht an einer Glasscheibe und entnimmt Proben | ©Hernandez & Sorokina Stocksy

Das vierte und letzte Themenforum zum Digitalplan fand unter Beteiligung von Staatsministerin Judith Gerlach statt und widmete sich dem Thema Wertschöpfung. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, wie der Digitalplan Bayern 2030 sowohl optimale Voraussetzungen für die digitale Transformation der Wirtschaft schaffen als auch Impulse für bahnbrechende Innovationen setzen kann. 41 Digitalexpertinnen und -experten entwickelten zu dieser Frage Maßnahmenvorschläge in den Bereichen „Digitalstandort“, „Fachkräfte“, „Rechtliche Rahmenbedingungen“, „Spitzenforschung und Innovation“, „Start-Ups“ und „Transfer und Anwendung“.

In diesem Blogpost teilen wir die aus unserer Sicht wichtigsten Erkenntnisse aus dem Workshop. Wenn Sie sich ein umfassenderes Bild machen möchten, klicken Sie auf die untenstehende Grafik. Haben wir wichtige Punkte übersehen oder sind Sie zu manchen Themen anderer Meinung? Dann diskutieren Sie über die Kommentarfunktion des Blogs mit!

Graphic Recording zum Thema Wertschöpfung

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Beim Thema Digitalstandort wurde diskutiert, was die Bayerische Staatsregierung unternehmen kann, um die Digitalwirtschaft in Bayern zu einem international renommierten Ökosystem fortzuentwickeln. Dabei wurden zunächst Regulierungsfragen diskutiert: Durch Testfelder für die Verwaltung, wie zum Beispiel Gesetzgebungslabore, können unter anderem Reformen des Vergaberechts rechtssicher getestet werden. Außerdem sollten Fragestellungen, wie das “Dateneigentum” oder die Besteuerung von Digitalkonzernen, klarer und nachvollziehbarer geregelt werden. Hilfreich sei hierbei auch mehr Interdisziplinarität im öffentlichen Sektor.

Des Weiteren kam dem Thema Bildung und Weiterbildung eine hohe Bedeutung zu. Dazu müsse das Bildungssystem von der Schule über die Hochschulen bis zur Erwachsenenbildung digitaler gedacht, modernisiert sowie das Weiterbildungsangebot in Unternehmen konsequent ausgebaut werden. Ebenso wurde mehr Austausch zwischen öffentlichem Sektor, Forschung und Start-Ups gefordert.

Im Bereich Fachkräfte stand die Frage im Mittelpunkt, wie einerseits die Kompetenzen der bayerischen Arbeitskräfte gestärkt und andererseits Bayerns Attraktivität für globale Top-Talente gesteigert werden kann. Ähnlich wie beim Thema Digitalstandort wurde auch hier eine Modernisierung des Bildungssystems angemahnt, das schneller auf veränderte Bedarfe reagieren und stärker auf lebenslanges Lernen ausgerichtet werden müsse. Es seien außerdem noch mehr Projekte zur Förderung weiblicher Fachkräfte erforderlich.

Um mehr Talente aus dem Ausland anzuziehen, müsse die Attraktivität des ländlichen Raums für diese Personengruppe gesteigert werden. Außerdem sollten die positiven Aspekte eines Arbeitsortes in Bayern stärker nach außen kommuniziert werden. Auch Mentoring-Programme von Unternehmen seien hier ein wertvoller Baustein, müssten bestenfalls aber bereits während des Studiums der zukünftigen Fachkräfte ansetzen.

Um das komplexe Themenfeld der Gestaltung rechtlicher Rahmenbedingungen anzugehen, schlugen die Teilnehmenden einen verstärkten Dialog zwischen Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in institutionalisierten Austauschformaten oder über Pilotprojekte vor. Auch ein Normenscreening, also eine Überprüfung von Rechtsvorschriften, hinsichtlich ihrer Digitalfähigkeit berge großes Potenzial.

Kontrovers diskutiert wurde eine Pflicht der Wirtschaft zur Veröffentlichung nicht personenbezogener Daten. Einigkeit herrschte, dass die rechtliche Lage bezüglich des “Eigentums” solcher Daten von staatlicher Seite zu klären sei. Die Teilnehmenden forderten daher wissenschaftliche Untersuchungen zum Mehrwert eines Open Data Ansatzes in Bayern.

Wie können im Rahmen des Digitalplans zielgerichtete Impulse für Spitzenforschung und Innovation gesetzt werden? Die Expertinnen und Experten hielten hierfür vor allem Freiheit und Finanzierung für Forschung, kompetente Fachkräfte sowie ein Innovationsökosystem mit Plattformen für Co-Creation für essenzielle Voraussetzungen. Dabei solle sich Bayern auf bestehende Stärken fokussieren, da man nicht in jedem Bereich Vorreiter sein könne.

Insbesondere müssen staatliche Förderprogramme hin zu mehr Wirkungsorientierung und
-messung reformiert werden. Forschungsziele können beispielsweise als Challenges ausgeschrieben werden. Dies werde mehr Akteure, auch jenseits der üblichen Teilnehmer, animieren, sich zu beteiligen. Es brauche außerdem mehr geschützte Räume, wie Innovations- oder Reallabore, aber auch digitale Austauschplattformen.

Eine wichtige Erkenntnis zum Thema Start-Ups war, dass für Gründerinnen und Gründer Bayern bereits ein attraktiver Standort ist. Die Stärken müssen deutlich nachhaltiger nach außen kommuniziert werden, beispielsweise durch entsprechende Marketingkampagnen. So können mehr Talente und Risikokapital angelockt und die Gründungskultur weiter ausgebaut werden. Verbesserungspotenzial wurde auch bei der Digitalisierung und Entbürokratisierung der Verwaltung gesehen. Eine weitgehende Abschaffung von Schriftformerfordernissen wurde ebenso gefordert wie digitale Notartermine ohne Verlesung von Vertragstexten.

Verwaltung und Start-Ups müssten auch ihre gegenseitigen Bedarfe besser verstehen. Dazu brauche es zentrale Anlaufstellen auf beiden Seiten, aber auch eine gemeinsame Task Force, um die drängendsten Themen, wie die Erhöhung der Gründungsgeschwindigkeit, anzugehen. An den Hochschulen brauche es mehr und insbesondere in MINT-Fächern verpflichtende Entrepreneurship-Vorlesungen. Außerhalb der wissenschaftlichen Förderlinien fehle es an Programmen zur Förderung von Start-Ups.

Eine stärkere Förderung von Gründungen und Gründungskultur wurde auch im Bereich Transfer und Anwendung als zentral angesehen, in dem diskutiert wurde, wie Erforschung und Anwendung digitaler Technologien enger verzahnt werden können. Des Weiteren müssten Forschungsergebnisse häufiger in leichterer Sprache und mittels Storytellings oder über Prototypen und Demonstratoren kommuniziert werden, sodass ihr praktischer Nutzen besser erkennbar sei.

Auch hier wurde gefordert, in der Forschungsförderung weg vom Erreichen reiner Kennzahlen und hin zur Umsetzung kürzerer und kleinerer Projekte zu gehen, um die finanzielle Lücke zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung zu schließen. Auch gemeinsame Innovationsräume von Wirtschaft und Wissenschaft seien sehr relevant. Durch den weiteren Ausbau lokaler Anlaufstellen wie der Technologietransferzentren können die Bedarfe von Unternehmen und Forschung vor Ort zusammengebracht und so der Transfer zwischen Anwendung und Forschung gestärkt werden.

Kommentare (6)

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Energiepirat

ID: 347 21.04.2022 11:50

Noch ein Hinweis. An der Flut der Kommentare (Vorsicht Satire) erkenne ich die Annahme durch die Bürger. Mau, bis MauMau. Wundert mich nicht. Der sogenannte Bürgerdialog, den die beste aller Kanzlerinnen vor ein paar Jahren durchgeführt hat, war am Ende nichts als eine Ausbeutung von Wissen und eine Methode, die Sicht der Menschen abzufragen um sie nachher in einem gezielten Prozess zu belehren und damit einmal mehr abzufertigen. Der Bürger-Dialog wurde zum Regierungs-Monolog. So machen die das in Russland, China und Belarus auch, wenngleich mit dem Unterschied, dass man hier für abweichende Sichtweisen nicht eingesperrt wird. Trotzdem wird vorgegeben, was man wie zu bewerten hat. Ich investiere hier gerade einiges an Zeit (unbezahlt) in diesen Digitalplan, sehe aber nicht, dass es sich lohnt. Nicht mal emotional.

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PeterN

ID: 351 18.05.2022 09:50

MauMau? Ich stimme Energiepirat zu.

Mag an mangelnder Werbung für diese Aktion liegen. War Bürgerbeteiligung ein wirkliches Ziel? Ich selbst erfuhr nur über einen Informationsverbund und nicht etwa über Websites örtlicher Kommunen o.ä. Niemand in meinem näheren bayr. Umfeld kennt die Aktion.

Liegt aber auch an der Plattform, die ungeeignet ist. Diskussionen können nur über Mehrfachkommentare erfolgen, jede Zustimmung erforderliche schon ein Anmeldung. Das ist kein Aushängeschild für ein Digitalministerium.

Ich vermisse z.Zt. eine klare Aussage über weitere geplante Schritte und wann diese unternommen werden.

Trotz allem aber auch ein Lob: es wurde ein RSS Feed eingeführt!

Energiepirat

ID: 346 21.04.2022 11:44

Wertschöpfung: Digitalisierung adressiert vorwiegend die nach Innen gerichtete Wertschöpfung durch Steigerung der Effizienz. Daraus folgt: Kein zusätzliches Wirtschaftswachstum. Was vor allem Reduzierung der Verwaltungsaufwände bedeutet und dringend in der Reduktion von weniger Papierakten seinen Niederschlag finden muss. Beispiel: Die geplante Überarbeitung der Anträge aus ALG II von 6 auf 19 Seiten! Keinen einzigen ausgemusterten Panzer in die Ukraine liefern können aber die Beschäftigungstherapie für Menschen in prekären Lebenslagen verdreifachen.

Dann ca. Zeile 33: "Ähnlich wie beim Thema Digitalstandort wurde auch hier eine Modernisierung des Bildungssystems angemahnt, das schneller auf veränderte Bedarfe reagieren und stärker auf lebenslanges Leben ausgerichtet werden müsse" Lebenslanges Leben? Wüsste ich es nicht besser, würde ich einen Anflug von Satire erkennen.

Verwaltungsvereinfachung ist ein guter Hinweis. Fangt mit einem bedingungslosen Grundeinkommen an! Danke

Dominik Golle (Bayern Innovativ)

ID: 348 21.04.2022 13:30

Lieber Energiepirat,

vielen Dank für Dein Feedback! Der Blogpost gibt die Ergebnisse des Themenforums Wertschöpfung wieder. Das Thema Verwaltungsmodernisierung ist absolut zentral für den Digitalplan und wird in den Blogposts zu den Interviews und zum Themenforum Staat behandelt. Ich nehme aus Ihrem Kommentar aber nochmal mit, wie wichtig das Thema auch aus Bürger:innen-Sicht ist. Vielen Dank dafür!

Bezüglich lebenslanges Leben: Da musste ich grad auch Schmunzeln - vielen Dank für den Hinweis, das wird gleich geändert. Wir lernen also dazu 😉